Kunststoff Verwertung

Irgendwann kommt jedes Produkt, gleich aus welchem Werkstoff, ans Ende seines Lebensweges. Doch auch dann ist Kunststoff zum Wegwerfen zu schade. In Deutschland beträgt die Verwertungsquote vorbildliche 99 Prozent.
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Verwertung von Post-Consumer-Kunststoffabfällen in Deutschland
Quelle: Conversio 2018

Kunststoffverwertung: Rohstofflich, werkstofflich und energetisch.

Dank des Pfandsystems werden in Deutschland fast 99 % der pfandpflichtigen PET-Flaschen gesammelt. Zu über 30 % werden gesammelte PET-Getränkeflaschen wieder zu Rohstoff für neue PET-Getränkeflaschen.

Kunststoffverwertung: Der Mix macht’s

Kunststoff kann grundsätzlich auf drei ganz unterschiedliche Arten verwertet werden.

Werkstoffliches Recycling

ist die mechanische Aufbereitung von gebrauchten Kunststoffen. Altteile werden zerkleinert, gereinigt und nach Sorten getrennt. Werkstoffliches Recycling ist sinnvoll, wenn Altteile bzw. Abfälle sauber und sortenrein generiert werden können.

Rohstoffliches Recycling

ist die Spaltung der Polymerketten. Die Produkte sind Monomere oder chemische Grundstoffe wie Öle und Gase, die zum Beispiel zur Herstellung neuer Kunststoffe eingesetzt werden können. Rohstoffliches Recycling ist für vermischte und für verschmutzte Kunststofffraktionen geeignet.

Energetische Verwertung

ist die Rückgewinnung der in den Altkunststoffen enthaltenen Energie durch Verbrennen bei gleichzeitiger Nutzung der Energie. Diese Art der Verwertung ist für vermischte und für verschmutzte Abfälle geeignet.

Unter ökologischen und ökonomischen, d. h. ökoeffizienten Gesichtspunkten am sinnvollsten ist ein Mix aus allen drei Verwertungsverfahren – werkstofflich, rohstofflich und energetisch. Das Deponieren von Kunststoffabfall ist aber in keinem Fall eine sinnvolle Lösung.

Verwertung: Deutschsprachige Länder vorn

Meist ist in Siedlungs- bzw. Haushaltsab-fällen nur wenig Kunststoff enthalten – deutlich unter zehn Prozent, wie Abfallanalysen zeigen. Der Kunststoffanteil in Leichtverpackungssammlungen liegt im Schnitt bei etwa 50 Prozent. Aus diesen Sammlungen erhaltene Kunststoff-Endverbraucherabfälle wurden 2014 in Europa (EU28 plus Norwegen und die Schweiz) zu 69 Prozent verwertet. Die meisten Länder in Europa liegen unter dem Durchschnitt. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind mit jeweils 99 Prozent Verwertung weit voraus. Wichtig zu wissen: es gibt in den EU-Ländern keinen einheitlichen Umgang mit Abfällen.

Das Deponieren von Kunststoffabfall ist in keinem Fall eine sinnvolle Lösung.

Kunststoffabfälle sind Wertstoffe.

Kunststoffe gehören nicht ins Meer oder in die Natur. Deshalb muss die Verwertung von Kunststoffen weiter vorangetrieben werden.

Kampf gegen Müll in der Umwelt und im Meer

Fehlen funktionierende Entsorgungs- und Verwertungsstrukturen, können Kunststoffabfälle in die Umwelt, in Seen, Flüsse und schließlich ins Meer gelangen. Ein wesentlicher Schlüssel zur Vermeidung von Mülleinträgen aller Art in die Umwelt ist ein effektives Abfallmanagement. Eine geordnete Erfassung von Haushalts- und Siedlungsabfällen ist entsprechend unabdingbar. Die so erhaltenen Abfälle sind dann einer geeigneten Verwertung zuzuführen.

In Deutschland ist die Deponierung von Kunststoffabfällen gesetzlich strikt geregelt. Die Kunststoffindustrie setzt sich für ein europaweites Deponieverbot für heizwertreiche Haushaltsabfälle ein, wie es in Deutschland bereits besteht. Weiterhin unterstützt die Kunststoffindustrie den Wissenstransfer für eine ökoeffiziente Abfallverwertung.

Im Rahmen dieses Wissenstransfers werden die deutschen Erfahrungen rund um die Verwertung von Kunststoffabfällen mit anderen Ländern geteilt. Da Müll im Meer eine globale Herausforderung ist, sind aber auch weltumspannende Anstrengungen erforderlich. Die Kunststoffindustrie initiiert und unterstützt hierzu Maßnahmen wie etwa die „Global Declaration“ gegen Meeresmüll.

Spezialfall: Die Verwertung bioabbaubarer Kunststoffe

Zusätzlich zu den herkömmlichen Verwertungswegen können biologisch abbaubare Kunststoffabfälle durch Kompostierung (aerob) oder Vergärung (anaerob) behandelt werden.

Biokunststoff – eine Alternative?

Biokunststoffe erweitern und ergänzen die bestehende Kunststofffamilie. „Biokunststoff“ ist ein Sammelbegriff, der für zwei ganz unterschiedliche Konzepte verwendet wird: für biobasierte Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen und für biologisch abbaubare Kunststoffe. Biobasierte Kunststoffe können biologisch abbaubar sein.

Der Einsatz von bioabbaubaren Kunststoffen ist dann interessant, wenn dies einen Nutzen bringt. Dies gilt etwa für Blumentöpfe, die im Boden zu Biomasse abgebaut werden, für Mulchfolien, die untergepflügt werden können oder für Biomüllbeutel.

Allerdings löst die biologische Abbaubarkeit nicht das Problem des „Littering“, der Vermüllung der Landschaft. Die biologische Zersetzung außerhalb einer Kompostierungsanlage geht sehr langsam vonstatten und kann mehrere Jahre dauern. Kompostierbare Kunststoffe könnten das „Littering“- Problem sogar verschärfen, nämlich dann, wenn der Verbraucher fälschlich glaubt, dass dieser Kunststofftyp rasch wieder aus der Umwelt verschwindet und sich entsprechend sorglos verhält.

Der Einsatz bioabbaubarer Kunststoffe bietet sich an, wenn diese Eigenschaft einen Nutzen bringt, wie z. B. Blumentöpfe und Folien die im Boden abgebaut werden.